Sein oder Nichtsein? Zukunftsaussichten der SAP-ABAP-Plattform


Während wir uns im ersten Blogartikel der Serie auf das Thema SAP HANA 2.0 konzentriert haben, geht es heute um die Zukunft des SAP ABAP.

SAP hat in den letzten Jahren massiv in die Entwicklung neuer Technologien investiert und arbeitet außerdem sehr intensiv daran, sein Cloud-Angebot auszubauen. Ein guter Zeitpunkt, sich im existenziellen Sinne des Hamlet die Frage zu stellen, welche Rolle die klassische ABAP-basierte NetWeaver-Platform in Zukunft spielen wird und was dies für anstehende Investitionen der Kunden darin bedeutet. Die Antwort hierzu ist, wie für Hamlet, vielschichtig. Und sie hat etwas mit der SAP-Strategie des Unternehmens zu tun. Doch wagen wir den Blick in die Zukunft.

ABAP und die damit verbundene Technologie wird auch weiterhin von Bedeutung sein und das Herz wichtiger Unternehmensanwendungen der SAP bilden – gerade und speziell im On-premise-Umfeld. Der Bedarf an zusätzlichen Technologien wie SAPUI5 und HANA wird zunehmen, doch ABAP wird in diesem Szenario eine wichtige Sprache für die Anwendungsentwicklung erhalten bleiben. Die wesentliche Änderung: ABAP wird nicht mehr allein zum Einsatz kommen – die Heterogenität an Lösungstechnologien nimmt zu. Die bekannten umfassenden Erweiterungsmöglichkeiten durch BAdIs, die Entwicklung eigener Anwendungen, Felderweiterungen und der der unkomplizierte Zugriff auf sämtliche Daten werden weiterhin zur Verfügung stehen.

Anders sieht es im Cloud-Umfeld aus. ABAP wird hier deutlich an Bedeutung verlieren. Das liegt daran, dass SAP im Cloud-Umfeld stärkere Restriktionen erlässt, um die automatische Upgrade-Fähigkeit der Cloud-Anwendungen zu garantieren. Dies ist erforderlich, weil alle Cloud-Produkte viermal pro Jahr automatisch auf den aktuellsten Stand gebracht werden. Aus diesem Grund ist es im Cloud-Umfeld nur an ausgewählten Stellen und mit sehr stark eingeschränkten Möglichkeiten erlaubt, eigenen Code in SAP-Standardprodukten einzubauen. Dadurch wird ABAP im Cloud-Umfeld eine deutlich geringere Rolle spielen. Kundenspezifisch entwickelte Funktionalität, die innerhalb der Cloud ausgeführt werden soll, wird überwiegend in Java und serverseitigem Javascript erstellt werden müssen. Darüber hinaus arbeitet SAP unter dem Stichwort „Bring your own language“ auch an der Unterstützung weiterer Sprachen.

Dies heißt aber nicht, dass die NetWeaver ABAP-Plattform um ihre Existenz bangen muss. Sie bildet die Grundlage für das zukünftige Kernprodukt der SAP: S4/HANA. Auch die Marketing-Analytics- und Automatisierungsplattform SAP Hybris Marketing und SAP Hybris Cloud for Customer basieren auf dieser technologischen Plattform. On-premise-Kunden, die S4/HANA einsetzen, werden auch in Zukunft langfristig mit dieser Plattform zu tun haben und weiter von ihren Vorteilen profitieren können. Gleichzeitig müssen sie sich aber darauf einstellen, dass sie in Zukunft verstärkt auch mit zusätzlichen Technologien zu tun haben werden – egal, ob sie Cloud-Produkte in Anspruch nehmen wollen oder nicht.

Christian Steinert

Christian Steinert

Christian Steinert ist Senior Developer und Anwendungsarchitekt.
Er hat über 15 Jahre Erfahrung mit der Konzeption und Entwicklung von SAP- und Enterprise-Software. Aktuell beschäftigt er sich vor allem mit neuen SAP-Produkten innerhalb der SAP HANA Cloud Platform und der Entwicklung von SAP Fiori- und Mobilanwendungen.
Christian Steinert

3 thoughts on “Sein oder Nichtsein? Zukunftsaussichten der SAP-ABAP-Plattform

  1. Lieber Christian,

    wie wahr was du da schreibst, aber du kannst den untergang von der bisherigen sap technik nicht aufhalten. mit gerhard oswald ist der letzte verfechter der erfolgreichen sap technik in rente gegangen. die neuen sap manager müssen ob sie wollen oder nicht der neuen richtung folgen, man hat für viele miliarden fremdsoftware eingekauft und diese muss auf „teufel komm raus“ auf den markt !

    meine kunden sind – aufgrund ihrer modifikationen und addons- veraenstigt …. und somit ein gefundenes fressen für neue anbieter, weil sap nicht mehr sap ist, sondern ein zusammengekaufter laden, ohne ein klares ziel ….

    meine ich mit 30 jahren sap-erfahrungen

    1. Hallo Volker

      vielen Dank für Deinen Kommentar und Deine Erfahrungen.

      Die ABAP-Plattform wird langfristig sicher an Bedeutung verlieren – dafür ist SAP technologisch zu sehr in Richtung Cloud focussiert und sie haben beschlossen, dass der ABAP Stack von seinen hosting-Anforderungen her eher Cloud-feindlich ist. Gleichzeitig hat SAP aber z. B. bei der HANA-Integration eine Menge auf ABAP-Seite getan. Momentan sehe ich den ABAP-Stack deshalb noch nicht auf dem Abstellgleis aber es dürfte spannend bleiben, ob SAP die S/4 Produktlinie dauerhaft so aktiv weiter entwickelt, wie sie diese bewerben und ob ihnen weiterhin klar ist, dass die ERP-Ecke ihre Kernkompetenz ist, die sie nicht vernachlässigen dürfen.

      Wenn sie für existierende Produkte nicht vom ABAP-Stack abhängig wären, dann würden sie ihn sicher eher heute als morgen absägen – das sehe ich ähnlich wie Du. Aber so einfach können sie die Plattform auch nicht absägen. Und bisher sehe ich auch nicht die Tendenz, dass sie ERP-Kunden mit ihrem ERP in die Cloud zwingen, wo es natürlich dann sehr wenige Anpassungsmöglichkeiten gibt.

      Was die zugekauften Produkte betrifft: Ich hatte zwischendurch größere Bedenken wegen des Zoos von Technologien und Produkten, den SAP sich über die Jahre zusammen gekauft hat. Inzwischen kommt mir das Ganze doch wieder ein Stück geordneter vor. Generell muss SAP natürlich schon aufpassen, dass sie sich nicht zu einem Gemischtwarenladen wie Oracle entwickeln. Gleichzeitig habe ich aber den Eindruck, dass SAP zumindest aus der früheren Stagnation aufgewacht ist und es an einigen Stellen (z.B. UI-Technologie) auch mal durchhält, neue Technologien zu etablieren.

      Aber ein radikaler technischer Wechsel ergibt sich dabei schon und ich hoffe auch, dass die SAP wieder mehr davon weg kommt, den Kunden einfach einen Baukasten von verschiedenen Teilstücken vor die Nase zu stellen, bei denen sich jeder selbst überlegen muss, wie er sie zusammen baut, um daraus ein Gesamtbild zu bekommen. Diese Tendenz ist mir aktuell doch etwas zu stark und hat natürlich verschiedene Nachteile, die man mit der alten, einheitlichen Technologieplattform nicht hatte.

      Nun ja – es bleibt spannend und die technische Komplexität wird sicher steigen.

      Viele Grüße
      Christian

      1. Vielen Dank Christian,

        ja es bleibt spannend, natürlich habe ich als früherer sap- mitarbeiter mit der personalnummer <400 noch immer ein herz für die sap. . . muss aber oft an meinen kunden Nokia denken , dieser war noch vor ein paar jahren noch Marktführer heute nichts mehr, weil er sie zeichen der zeit verschlafen hat ! wenn man das so sieht -ist die sap mit ondemand und hans– vielleicht doch auf dem richtigen weg

        lasst uns in kontakt bleiben, Volker

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