SAP Fiori 2.0: mit preisgekrönter Weboberfläche in die Zukunft

In der Vergangenheit hat sich SAP bei der Produktentwicklung stark auf die Funktionalität der Anwendung, den Ausbau neuer Geschäftsfelder und die Integration von Drittsystemen fokussiert. User Experience stand bis dato nicht im primären Fokus bei der Entwicklung. Zwar wurden mit dem SAP Netweaver Business Client, Webdynpros und BSP-Applikationen erste Versuche unternommen, die Akzeptanz beim Endanwender zu erhöhen, jedoch kam keine dieser Technologien in der Breite zum Einsatz.

Auf der Suche nach einer einheitlichen Lösung stellte SAP im Jahr 2013 erstmals SAP Fiori vor. Der ursprüngliche Grundgedanke war es dabei, dem Nutzer möglichst kleingeschnittene „Web-Apps“ zur Bearbeitung seiner täglich anfallenden Arbeit, rollenbasiert, bereit zu stellen. Das sogenannte „1-1-3-Prinzip“ war das zentrale Entwicklungsmuster für die Erstellung der, in der ersten Welle von SAP Fiori ausgerollten, Anwendungen.

Master-Detail App Fiori 1.0
Abb. 1: Master-Detail App Fiori 1.0

Ziel war es, in einer App jeweils genau einen Business-Use-Case für genau eine spezifische Benutzergruppe mit Hilfe von maximal drei Navigationsschritten („drei Klicks“) durchführbar zu machen. Business-Use-Cases, wie der Freigabeprozess einer Dienstreise im Modul HR, die Einsichtnahme offener Leads bzw. Opportunities in SAP CRM oder die Erstellung einer Instandhaltungsmeldung im Modul PM, ließen sich über diesen Ansatz effizient abbilden.

In der heutigen Geschäftswelt gibt es jedoch sehr komplexe Prozesse, die sich teilweise schwer in kleinere Sub-Prozesse zerlegen lassen. Ebenso schwierig ist es, Anwendungsfälle, die sich durch das Zusammenwirken mehrerer Mitarbeitergruppen definieren, mit diesem Ansatz darzustellen, beispielsweise die Bestellung von Rohstoffen zur Fertigung oberhalb eines Freigabebudgets.

SAP reagierte darauf und stellte Fiori 2.0 erstmals in 2015 vor. Im gleichen Jahr wurde der Walldorfer Software- und Plattformanbieter mit dem „red dot“-Award in der Kategorie „Design Concept“ ausgezeichnet. Nun ist es endlich so weit und die ersten Anwendungen beziehungsweise Produkte von SAP erstrahlen im neuen Glanz. So erhielt die neueste Version (1611) von Hybris Marketing sowie SAP S/4HANA schon die neue Oberflächentechnologie.

SAP Fiori 2.0 User Interface
Abb. 2: SAP Fiori 2.0 User Interface

Was ist neu an SAP Fiori 2.0?

Die Version 2.0 ist nicht nur als technisches Update der Software an sich zu verstehen, sondern vielmehr als eine neue Generation von Fiori-basierten Anwendungen mit dem Ziel, ein komplettes Gesamtprodukt anzubieten und auch den Bedürfnissen von Power-Usern stärker gerecht zu werden.

Theme Belize

Das neue Theme „Belize“ wirkt aufgeräumt und modern. Durch den Einsatz einer Vielzahl von Designelementen, wie transparenten Benachrichtigungen oder Icons, kommt es dem Nutzer nicht so vor, als würde er hier an einem SAP-System arbeiten. Das Theme ist in der Tat sehr gelungen und hat den „red dot“-Award mehr als verdient. Kunden, die auf Basis des bisherigen Standard-Themes „SAP Blue Crystal“ individuelle Themes erstellt bzw. Anpassungen vorgenommen haben, müssen diese im Rahmen einer Umstellung auf Fiori 2.0 jedoch erneut durchführen.

Fiori 2.0 Theme Belize - Launchpad
Abb. 3: SAP Fiori 2.0 Theme Belize – Launchpad

Das dreigeteilte Launchpad

Die Zuordnung und Personalisierung der nutzerspezifisch zugeordneten Anwendungen ist identisch zur Vorgängerversion. Neu ist jedoch das dreigeteilte Launchpad, welches sich noch mehr an den Bedürfnissen der Nutzer orientiert.

Workspace: Im eigentlichen Arbeitsbereich von SAP Fiori ist es nun möglich, über App-Grenzen hinweg zu navigieren. Der Nutzer kann dadurch beispielsweise von der App „My Opportunities“ direkt zum verknüpften Kontakt in der „My Contacts“-App navigieren.

Me Area: Auf der linken Seite der individuellen Homepage wurde der Bereich „Me Area“ hinzugefügt. Hier ist es dem Nutzer möglich, seine persönlichen Einstellungen, wie Passwort-Änderung, Auswahl der Apps auf Homepage, Katalogeinstellungen oder einfach nur die Anpassung seines Nutzerfotos, vorzunehmen.

Notification Area: Auf der rechten Seite befindet sich die Notification Area. In dieser werden dem Nutzer alle betreffenden Meldungen aus Workflow-Tasks und Alerts angezeigt. Einem Teamleiter würden beispielsweise zu genehmigende Urlaubsanträge seiner Mitarbeiter aufgelistet werden.

SAP Fiori 2.0 Launchpad-Aufteilung
Abb. 4: SAP Fiori 2.0 Launchpad-Aufteilung

Wir sind sehr gespannt, wie der Markt auf diese zweite Fiori-Welle reagiert und welchen Einfluss der mobile Zugriff mit einer solchen User Experience auf die tägliche Arbeit haben wird.  Da ITARICON sich schon sehr früh mit der zugrunde liegenden SAPUI5-Technologie auseinandergesetzt hat, sind wir sehr froh darüber, dass SAP diesen technologischen Weg konsequent fortsetzt. Da nun gleich mehrere Produkte der SAP mit der neuen Oberflächentechnologie aktualisiert wurden und SAP mehr und mehr Cloud-Produkte in ihr Portfolio aufnimmt, sollten sich Anwender-Unternehmen darauf einstellen, dass SAP Fiori die Zukunft für kommende SAP-Produkte ist.

Thomas Maatz

Thomas Maatz

Developer Solution Design bei ITARICON Digital Customer Solutions
Thomas Maatz ist SAP Developer bei ITARICON und beschäftigt sich im Bereich Solution Design mit der Entwicklung und Konfiguration von innovativen SAP-Anwendungen.
Thomas Maatz

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