Nie wieder in den Supermarkt fahren oder nur eine nützliche Ergänzung?

Mein Lebensmitteleinkauf und die Digitalisierung

Nach einer etwas frustrierenden Erfahrung bei einem Einkauf in einem größeren, mir nicht vertrauten Supermarkt, fing ich an darüber nachzudenken, wie man mit Hilfe digitaler Werkzeuge den Lebensmitteleinkauf effizienter gestalten könnte. Meine erste Idee war ein Supermarktnavi. Allerdings würde diese Lösung nur für Leute sinnvoll sein, die nur vereinzelt einen der größeren Märkte aufsuchen. Stammkunden wissen, wo sie hin müssen und ob der Supermarktbetreiber wirklich Interesse daran hat, dass seine Kunden auf effizientestem Wege durch die Regale steuern, wage ich auch zu bezweifeln.

Die Nutzung eines Online-Lieferservices würde den Lebensmitteleinkauf auf den Bestellvorgang verkürzen. Voraussetzung für eine Effizienzsteigerung ist eine übersichtliche und funktional gut gestaltete Benutzerschnittstelle, die es ermöglicht, die benötigten Produkte schnell zu finden und zu listen. Glaubt man den Statistiken, ist zumindest in Deutschland der Bedarf für eine solche Lösung aber gering. Im Wirtschaftsmagazin „brandeins“ liest man, dass 2013 gerade mal 0,2% aller Supermarkteinkäufe in Deutschland im Internet bestellt wurden und dass beispielsweise die englischen Supermarktketten, die einen Bestellservice anbieten, damit nicht kostendeckend arbeiten. (Quelle: brandeins 04/2013 „Äpfel und Birnen“). Der Kompromiss zwischen „alles selber machen“ und „alles liefern lassen“, stellt sich in meinem Fall bei „bestellen und abholen“ ein. Und siehe da, das geht sogar schon bei ein paar Anbietern.

Nach einigen Diskussionen zu dem Thema ergab sich für mich folgendes Bild zum Nutzen und Einfluss der Digitalisierung auf den Lebensmitteleinzelhandel:

Eine Smartphone-App, die Basisanforderungen wie die Anzeige von Produkt- und Aktionsinformationen oder die Nutzung eines Bonusprogrammes zur Verfügung stellt, sollte heute zum Standardangebot jedes größeren Lebensmittelhandels gehören. Die Krux mit Basisanforderungen (im Kano-Modell auch Basismerkmale genannt) ist jedoch, dass sie vom Kunden aber nicht als Zusatznutzen wahrgenommen, sondern vorausgesetzt werden. Meine Anforderung, den Lebensmitteleinkauf effizienter zu gestalten, wird davon kaum berührt.

Erfolgsfaktor Nummer eins für ein derartiges Lieferszenario ist meines Erachtens der ganzheitliche Ansatz bei der Konzeption. Geht man davon aus, dass die Kunden meist immer wieder zum gleichen Supermarkt für den Wocheneinkauf gehen, lohnt es sich einen Online Account einzurichten. Über diesen kann ich dann eine Bestellung erstellen und den Abholzeitpunkt/-ort definieren. Sobald mein Einkauf bereit steht, bekomme ich eine Meldung auf meine App. Zur Abholung fahre ich in einen Drive-Inn-Schalter, nehme meine Bestellung entgegen und bezahle. Die Bezahlung könnte ebenfalls über die App geschehen. Durch die Anbindung eines Kreditkartenkontos oder der normalen Abrechnung des Mobilfunkvertrages könnte ich per Rechnung zahlen.

Nach dem Einkauf gibt mir die App die Möglichkeit, die Produkte zu bewerten und lässt mich Bestellungen wieder verwenden. Bei geschickter Auswertung der Bestelldaten könnte die App sogar Bestellungen vorkonfigurieren. Dafür würde sie prüfen, welche Mengen bestimmter Produkte in welchen Abständen bestellt wurden. Frei nach dem Motto: „Kunde XY kauft alle zwei Wochen vier Packungen Butter und seine letzte Butterbestellung ist 16 Tage alt…“. Für digital voraussehende Häuslebauer, wie meinen Kollegen Martin Wanitschke, wäre es sogar denkbar, dass der intelligente Kühlschrank an die App angebunden ist und der „Bestellzettel“ durch ihn bestückt wird. (siehe http://blog.itaricon.de/if-this-then-that-oder-wie-das-internet-of-things-in-unser-leben-einzug-haelt/)

Interessant wird es sein, den Umgang mit Frischeprodukten zu beobachten. Obst und Gemüse sucht man ja doch öfter nach dem Aussehen aus. Man will die Produkte berühren und sie aus allen Perspektiven begutachten bevor man sie kauft. Da könnte ein Hybridmodell helfen. Der Supermarkt im oben beschriebenen Szenario ist nichts anderes als eine Lagerhalle mit ansprechendem Drive-Inn. Um den Kunden die Möglichkeit zu bieten, frische oder spezielle Aktionsartikel beim Abholen zu ergänzen, muss eine entsprechende Abteilung vorhanden sein. Man würde erst seinen Einkauf abholen, diesen dann ergänzen und anschließend bezahlen.

Welche Konsequenzen hat das für den Lebensmittelhandel?

Wie schon beschrieben, denke ich, dass ein Supermarkt ein Lagerhaus mit Drive-Inn und evtl. einer Frischeabteilung wird. Da ein Lager effizienter gestaltet werden kann als ein Supermarkt, bedeutet das für den Händler, dass er weniger Fläche brauchen wird und dadurch Kosten spart. Themen wie Lagerlogistik und deren Automatisierung werden dadurch stärker in den Fokus rücken. Die sozialen und gesellschaftlichen Auswirkungen der Digitalisierung sollten dabei jedoch nicht unbeachtet gelassen werden.

Welche Auswirkungen hat das auf die IT ?

Digitalisierung ist ohne die entsprechende Transformation der IT nicht möglich. Das beginnt schon bei der Bedienfreundlichkeit der Apps und der Übersichtlichkeit des Warensortiments. Ich möchte nicht länger für die Bestellung per Internet als für den klassischen Einkauf brauchen. Hier sind gutes Requirements Engineering und Oberflächendesign gefragt. Weiterhin werden die Auswertung und der Umgang mit den Kundendaten erfolgskritisch sein. Geht man von (teil-)automatisierten Lagern aus, so ist auch die Integration der Logistiksysteme und -geräte zu beachten. Die Bestellvorgänge könnten durch die Echtzeitanalyse des Lagerbestandes und die Auswertung des Einkaufs- und Bestellverhaltens optimiert bzw. automatisiert werden.

Mein Fazit

Ich habe mit meiner Frau beschlossen, dass wir den aktuellen Stand eines Bestell- und Abholangebotes testen wollen. Auf das Ergebnis bin ich sehr gespannt. Wenn wir nicht überzeugt sind, denke ich nochmal über das Supermarktnavi nach. Letzte Woche kam eine Datenbrille in der Firma an… 😉

 

Quellen:

brandeins 04/2013 „Äpfel und Birnen“: http://www.brandeins.de/archiv/2013/handel/aepfel-und-birnen/

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