Die Digitalisierung: was SOA bereits vorgedacht hat und wie EAM hilft.

Eine neue Bewegung treibt die Unternehmen: die Digitalisierung. Damit ist es an der Zeit, dass das Enterprise Architecture Management (EAM) seinen Elfenbeinturm verlässt und die Bewegung aufsucht.

Während die Unternehmens- und Anwendungsarchitekten erfolgreich die Prozess- und Anwendungslandschaften ihrer Unternehmen gestalten, um den CEOs und CIOs qualifizierte Entscheidungen zu ermöglichen, rückt nun der nächste Architekturaspekt in den Fokus:  die Stunde der Integrationsarchitekten schlägt. Die Integrationsarchitektur beschreibt die Informationen eines Unternehmens und den Austausch dieser zwischen Prozessen, Organisationseinheiten und Anwendungen.

Abb. 1: Architekturebenen eingebettet in die Unternehmensarchitektur
Abb. 1: Architekturebenen

Sie ist ein Teil von EAM, der immer mehr an Bedeutung gewinnt. Wie der Name schon sagt, hat Enterprise Architecture Management das Ziel, die Unternehmensarchitektur zu entwickeln und zu managen. Dabei werden alle relevanten Bereiche mit stabilen und anpassbaren Architekturen versehen, die zur Unternehmensstrategie passen. Aktuell betrachtet man dazu meist die Geschäfts- oder Prozessarchitektur, die Anwendungsarchitektur, die Informations- oder Integrationsarchitektur und die Technische Architektur (siehe Abb. 1). Je nach Bedarf werden auch eine Sicherheitsarchitektur oder Risikoarchitektur hinzugefügt. EAM achtet dabei darauf, dass die verschiedenen Bereiche ineinandergreifen.

Wie erwähnt, spielte die Anwendungsarchitektur zuletzt eine große Rolle und ist längst etabliert. Sie sorgt dafür, dass IT-Anwendungen durch Modularisierung, funktionales Design und entsprechende Dokumentation erweiterbar und wartbar bleiben. Bei einer serviceorientierten Architektur, auch SOA genannt, sollen Anwendungen oder Teile von Anwendungen fachliche Dienste (Services) über definierte Schnittstellen bereitstellen. Durch die Katalogisierung dieser Dienste bzw. Schnittstellen entsteht ein Baukasten von Funktionen, die beliebig kombiniert und wiederverwendet werden können,  um neue Lösungen zu bauen. Wenn man es so will, haben die SOA-Vordenker schon den Bauplan für die Anforderungen, die aus der digitalen Transformation resultieren, geliefert.

Sollen die Vielzahl an Funktionen und Diensten in einem Unternehmen verbunden werden, um neue Dienste bereitzustellen oder bestehende Dienste zu optimieren, wird das einen Anstieg der Schnittstellen zur Folge haben. Für die flexible und schnelle Umsetzung von digitalen Transformationsprojekten ist es unumgänglich, Transparenz über die IT-Landschaft im Allgemeinen und die Schnittstellen im Speziellen zu schaffen (siehe beispielhaft für die Applikation Trade*Net in Abb. 2). Würde jede Abteilung ihre Dienste per Fax, E-Mail, SAP-IDoc-Schnittstelle oder dem Servierwagen anderen bereitstellen, dann wäre sie schnell mit ihren Ressourcen am Ende. In der Digitalisierung spielen Mulitchannelkonzepte eine große Rolle und es wird immer wichtiger, dem Servicenutzer mehrere Ergebnisformate, wie z.B. Apps, JSON, XML oder IDOC anzubieten. Dafür existieren Integrationsplattformen – sie ermöglichen dem Serviceprovider, ähnlich den Bits auf einem Schraubendreher, verschiedenartige Schrauben zu befestigen.

Das Applikationsdiagramm aus Alfabet zeigt die Applikation Trade*Net mit ihren Komponenten und Informationsflüssen zu anderen Applikationen. Die Farben der Applikationen geben die Art der Applikation an (rot=Mainframe, grün=Client Server, lila=eBusiness). Die Icons zeigen die Anpassungsfähigkeit und "Mean Time Between Failure" an. Beides hilft, die Integration der Applikation besser zu bewerten und Risiken abzuschätzen.
Abb. 2: Das Applikationsdiagramm aus Alfabet zeigt die Beispiel-Applikation Trade*Net mit Komponenten und Informationsflüssen zu anderen Applikationen. Die Farben geben die Art der Applikation an (rot=Mainframe, grün=Client Server, lila=eBusiness). Die Icons zeigen die Anpassungsfähigkeit und „Mean Time Between Failure“ an. Beides hilft, die Integration der Applikation besser zu bewerten und Risiken abzuschätzen.

Aber wie spielen Integrationsarchitektur und EAM nun bei der Digitalisierung zusammen?

Um es kurz zu machen: Sie schaffen Struktur und Transparenz.

Den daraus resultierenden Nutzen will ich mit folgendem Vergleich aufzeigen: Wenn zu Hause aufgeräumt ist, dann habe ich Platz zum Arbeiten und finde meinen Werkzeugkasten, Materialien und Hausmittel. Das heißt übertragen, wenn ich meine Unternehmensarchitektur strukturiert gestalte, dann habe ich die Übersicht über Applikationen, Services, Schnittstellen und Ressourcen, um den Anforderungen der digitalisierten Welt zu begegnen. Einmal den Werkzeugkasten aufgeklappt, finde ich die Werkzeuge, die ich für eine bestimmte Aufgabe benötige. Um ein Bild aufzuhängen, werde ich einen Bohrer, Dübel, Schrauben und Schraubendreher benötigen und dort finden. Sie nochmals im Baumarkt zu erwerben, wäre unnütz. Genauso ist dies mit Services: Für die Bereitstellung einer neuen Dienstleistung werden bestehende und neu implementierte Services zu neuen Lösungen kombiniert. Für die Bereitstellung von Strukturen und Transparenz bedarf es eines Werkzeugkastens, in dem ich meine Werkzeuge und Ressourcen verorte und den ich stets griffbereit habe.

Die Business Support Matrix aus Alfabet zeigt, welche Organisationseinheiten die Applikation Trade*Net v.6.0.3 für welchen Prozess nutzen. Zusätzlich wird angezeigt, welche Applikationen die Organisationseinheit für einen Prozess nutzt. Dies sind Kandidaten für eine Integration in Trade*Net.
Abb 3: Business Support Matrix aus Alfabet

Alfabet von der Software AG ist ein solcher Werkzeugkasten. Die Module „Enterprise Architecture Management“ und „Portfolio Management“ stellen der Integrationsarchitektur wichtige Informationen, Funktionen und Auswertungen bereit. Neben dem funktionalen Domänenmodell, Business Supports oder Zielbebauungsplänen liefert Alfabet Informationen zu Applikationen, ihren Schnittstellen und den Geschäfts- bzw. Informationsobjekten, die darüber ausgetauscht werden. So kann schon früh in Projekten analysiert werden, welche Anwendungen und Schnittstellen im geplanten Vorhaben geändert und welche neu gebaut werden müssen. Abbildung 3 zeigt eine Business Support Matrix aus Alfabet. In dieser werden zwei Sichten auf die Applikation Trade*Net kombiniert. Zum einen zeigt sie, welche Organisationseinheiten die Applikation Trade*Net für welchen Prozess nutzen. Zum Anderen werden auch noch alle weiteren Applikationen aufgelistet, die eine Organisationseinheit für einen Prozess nutzt. Aus der Frage warum die Organisationseinheit „FD Trading“ acht Applikationen für den Prozess „Asses Class Trading“ nutzt, lassen sich redundante Applikationen oder Kandidaten für eine bessere Integration ermitteln.

Fazit:
Im Thema der Digitalisierung liegt nun die Chance für Integrationsarchitekten, ihre CEOs mit der Transparenz über alle im Unternehmen verfügbaren Informationen und Dienste zu unterstützen. Den Unternehmenslenkern wird so die Möglichkeit gegeben, schneller als die Konkurrenz neue verknüpfte – integrierte – Dienste anzubieten. Mit den Methoden und Werkzeugen der Integrationsarchitektur wird dann dafür gesorgt, dass diese neuen Lösungen auch langfristig erweiterbar und kosteneffizient betreibbar bleiben.

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